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Regina Maris unter Segeln!

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 8 Minuten

Hier ist Besatzungsmitglied Lea S. Ich erzähle euch heute, wie wir uns durch Stürme und schwindelerregend hohe Wellen gekämpft, giftige Schlangen und Spinnen überlebt und ein achtarmiges Seeungeheuer bezwungen haben. Und natürlich, wie ihr Seemannsgarn von der Wahrheit unterscheidet ;)


Vorgestern

Vorgestern haben wir einen Ausflug in den Dartmoor National Park gestartet und dafür einen Bus gemietet. Für unsere Wanderung hatten wir zwei Stopps eingeplant, einen am Nationalpark, den wir durch eine Wanderung von zwanzig Minuten erreichten, und einen am Strand.


Dartmoor war sehr schön, auch wenn das Wetter zu wünschen übrig ließ. Raue, karge Natur, buschige, niedrige Pflanzen, nur unterbrochen von mit Flechten bewachsenen Felsen, die sich gegen Wind und Sprühregen stemmten. Unsere Gruppe zog sich als Kette aus blauen Männchen mit neongrünen Kapuzen durch die Landschaft und kennzeichnete uns so für jedes andere Lebewesen als Fremde. Doch ich fühlte mich dort nicht unwillkommen, in dieser einsamen, weiten Landschaft, deren Größe ich wegen des Nebels gar nicht erfassen konnte. Es war irgendwie beruhigend, alles in Watte gepackt zu sehen und nicht zu wissen, was im Nebel verborgen lag.



Irgendwann fanden wir einen Felsen, den einige von uns neugierig erkletterten. Der Wind auf der Spitze war pfeifend und so stark, dass man Mühe hatte, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Doch das Gefühl war es wert. Man konnte zwar immer noch nicht mehr als zehn, zwanzig Meter in die Landschaft schauen, trotzdem spürte man die Weite, über die der Wind strich.

Irgendwann, als wir alle nass und durchgefroren waren, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Erfreulicherweise mussten wir nicht den ganzen Weg zurücklaufen, sondern wurden relativ schnell vom Bus an einem Laden, der gleichzeitig eine Art Ausstellung war, abgeholt.


Wir fuhren eine weitere knappe Stunde und kamen schließlich an der Küste an. Der Wind war ähnlich stark, allerdings nicht von Sprühregen durchsetzt, sodass wir alle bald trocken gepustet waren. Wir wanderten auf einem schmalen Weg die Küste entlang und hatten eine kurze Interaktion mit dem englischen Militär, welches uns zurückwinkte.

Der Ausblick, den wir zu bewundern bekamen, als wir im Gänsemarsch weiterwatschelten, war unvergleichlich. Das Meer tief unter uns, besetzt mit langen, schneeweißen Schaumkronen und endloser Weite, die Steilküste, die nahtlos in die rollenden Wellen überging, und die Sonne, die Strahlen wie Scheinwerfer durch die Wolkendecke brechen ließ und dem ganzen Anblick etwas Magisches und Feierliches gab.


Unser Ziel war ein steiniger Sandstrand, der viele Motive für Erinnerungsfotos vorzuweisen hatte. Die Felsen, die in jeder Größe und Form verstreut waren, boten außerdem eine einladende Klettergelegenheit. Bedauerlicherweise kam ich nicht allzu lange in den Genuss des Kletterns, denn die Flut ließ nicht auf sich warten und begann langsam, aber unaufhaltsam, den Sand zu dezimieren und die Steine zuzudecken.

Wir wanderten noch ein wenig weiter, kehrten allerdings irgendwann aufgrund der Uhrzeit wieder um. Hier hatten wir wieder das Glück, dass der Bus uns einsammeln konnte und wir uns nicht den ganzen Weg zurückquälen mussten. Die Rückfahrt war sehr spaßig, mit viel Musik, die in jede Richtung ging.


Als wir zu Hause ankamen, entbrannte ein erbitterter Krieg um die Duschen, was sich allerdings schnell zu einem Sprintwettbewerb entwickelte. Nach dem Essen fielen wir alle erschöpft in die Betten und genossen die Aussicht auf Frühstück um 10:00 Uhr, was einem eine Stunde mehr Schlaf verschaffte.



Gestern

Als wir am nächsten Morgen alle halbwegs fit aufstanden und frühstückten, bereiteten wir uns auf den letzten Tag in Plymouth und die Abreise vor. Auf dem Tagesplan standen Segelvorbereitungen und für die, die wollten, auch die letzte Möglichkeit, an Land zu gehen und Dinge abzuschicken oder einzukaufen. Oder eben das letzte Mal für eine Weile festen Boden unter den Füßen zu fühlen.


Schließlich kam der Moment der Abfahrt und nach einem unkomplizierten Ablegemanöver und einem lauten „Bye bye, Plymouth!“ stachen wir mit einer steifen Brise in See. Wir haben uns für den selbsterdachten Begriff „Plymth“ die Bedeutung Regen oder Schietwetter überlegt, sodass man jetzt immer sagen kann: „Es plymthft wie aus Eimern!“ oder „Das sieht aber nach Plymth aus!“

Alle fühlten sich euphorisch. Es war nur ein wenig bedauerlich, dass die nach dem Filmabend mit „Fluch der Karibik“ geplanten Überfallversuche nicht umgesetzt werden konnten.


Die allgemeine Hochstimmung hielt etwa eine Stunde, dann verloren wir die Ersten aus unseren Reihen. Es dauerte nicht lange, und die halbe Mannschaft hing über der Reling. Hervorheben möchte ich, stolz wie Oskar, dass ich selbst mich noch nicht einmal übers Wasser gebeugt habe und felsenfest entschlossen bin, es genauso beizubehalten.

Der allgemeine Zustand hält bis heute und wahrscheinlich auch noch weiterhin an, obwohl wir eindrucksvolle Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge und einen runden, strahlend weißen Mozzarellamond bestaunen dürfen.


Die Nachtwachen waren, wie zu erwarten, anstrengend, kalt und endlos. Und doch hatten wir zwei echte Seebären namens Leandro und Paul, denen die Wellen und das Geschaukel nichts anhaben konnten und die uns anderen fürsorglich mit Essen und Wasser versorgten, selbst wenn ihre Mühen sich eine halbe Stunde später wieder über Backbord verabschiedeten.



Auch heute hält uns das Schaukeln auf Trab. Selbst Mattes musste feststellen, dass der Weg hinter dem Steuer bei Schräglage seine Tücken hat. Bis Portugal liegen wohl noch ein paar Tage auf See vor uns. Zeit genug, um unsere Seebeine zu finden! Bis dahin freuen wir uns über helfende Hände, schöne Sonnenuntergänge und jeden Magen, der sich langsam an die Wellen gewöhnt.


Ich grüßen Deary, meine Familie und meine heißgeliebte und vermisste Fellnase Meggie

Eure Lea S.

 
 
 

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