Alltag im Leben eines Lehrers an Bord
- Robert
- 12. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Es könnte nicht schöner sein: Alle Schüler sind pünktlich anwesend, Annamengia meldet sich zum 5. Mal und löst eine unmögliche Aufgabe. Wir lachen zusammen und niemand könnte sich etwas Schöneres vorstellen, als gemeinsam zu lernen. Die Schüler schwärmen: „Robert, wir sind dir so dankbar. Du bist unser Vorbild, Held und Gallionsfigur. Unser unbändiger Wissensdurst wird dank dir einigermaßen gebändigt!“
Dööt dööt dööt 8:00 Uhr, der Wecker klingelt. Alles war nur ein Traum. Ich habe Durst, liege in meiner verschwitzten Koje und realisiere, wo ich mich befinde. Nach einer Dusche und dem erfrischendsten Glas Wasser, das man sich vorstellen kann, gibt es ein vorzügliches Frühstück aus selbstgebackenem Brot, Erdnussbutter, Käse und Marmelade.
Dann beginnt das Katz und Maus Spiel. Um 10 Uhr startet die Lernzeit. Das heißt, es geht für die Schüler darum, dies hinauszuzögern. Zack, zwei haben sich auf dem Achterdeck hinter der Kühltruhe versteckt. Ich trage ihnen auf, sich mit Trigonometrie zu beschäftigen. 2 weitere wurden spontan seekrank, pünktlich zum Mittagessen sind sie dann aber wieder wundergeheilt. Im Aufenthaltsraum sitzt eine fleißige Schülerin, die von alleine ihre Aufgaben bearbeitet. Immerhin.

Beim Mittag sind alle Schüler wach, auch die aus den anderen Wachen. 15 Uhr, nach einer erneuten Odyssee übers Schiff, um alle Schüler zu finden, einer Weckaktion für Mittagsschlafende und 1-2 Grundsatzdiskussionen, ob denn nun Frontalunterricht in Englisch so wichtig sei, kann es endlich losgehen. Heute geht es um Kolonialisierung. Wir fahren eine historisch aufgeladene Route, daher passt es thematisch sehr gut. Als Ferdi mir gerade auf einem Globus die Lage von Sierra Leone zeigt, höre ich es aus dem Steuerhaus: „Put down the main sail!“ Ausgerechnet jetzt. Aber das Schiff geht vor. Alle Schüler gehen also an die Seile und verrichten ihre Pflicht.

Es wäre natürlich zu einfach, wenn es danach nahtlos weiterginge. Gezielt schwärmen einige Schüler wieder aus und denken, dass sie mithilfe von Ablenkungsmanövern und Versteckspielen den Unterricht vorzeitig beenden können. Nicht mit mir, ich gebe nicht auf.
5 Minuten später, geschafft. Alle sind beisammen. Wir schaffen noch eine Textanalyse, wenn wir uns ranhalten. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.

Aber mal wieder war ich zu optimistisch: Auf einmal springt ein Schüler auf und schreit euphorisch: Delfine! Damit war es das mit dem Unterricht, das pure Chaos bricht aus. Anarchie beim Delfinwatching. Ich erinnere mich an das Motto von Kap Verde: „No stress“ Morgen beginnt die nächste Herausforderung.
Liebe Grüße an die Kegelfreunde Ost, Euer Robert
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