„Ich habe es überlebt. 24 Stunden im tiefen Wald Hortas, 24 Stunden alleine in der Wildnis!“
- Carla
- 28. März
- 4 Min. Lesezeit
„Ich habe es überlebt. 24 Stunden im tiefen Wald Hortas, 24 Stunden alleine in der Wildnis!“, das haben wir uns alle gedacht, als David, unser Survivalcoach, mittags zu unseren Lagern gegangen ist und gesagt hat, dass wir zurückkommen dürfen.
Aber jetzt von vorne: Am Donnerstagmorgen für unsere Verhältnisse pünktlich um neun Uhr sind wir in unseren schicken Outdooroutfits von Bord gegangen und sechs Kilometer quer durch Horta und die Natur der Azoren gelaufen, bis wir auf einem Hügel oder Berg, wie es die Nicht Bayern bezeichnen würden, angekommen sind.

Dort hat David uns den ganzen Tag praktische und sinnvolle Sachen beigebracht, die uns das Überleben in der Wildnis ermöglichen und erleichtern. Vormittags haben wir uns mit dem Thema Feuer und Nahrung beschäftigt. Jeder hat einen Feuerstahl bekommen, es gab ein paar Tipps und Tricks und dann durften wir alle loszündeln. Nachdem alle ihr eigenes Minifeuer entfacht hatten, haben wir zusammen ein großes Feuer gemacht, über dem wir Würstchen und Stockbrot gemacht haben.
Nach unserem Mittagessen ging es weiter mit dem Thema Schutz. In Kleingruppen sollten wir aus einer Plane vom Schiff, zwei Rettungsdecken und ein bisschen Schnur einen Shelter bauen. Als erstes mussten wir uns einen Platz suchen, anschließend ging es mit dem Aufbau los. Während Lisi versucht hat uns Anweisungen zu geben, haben Emily, Annamengia und ich uns in einer der Rettungsdecken eingekuschelt und darüber diskutiert, wer von uns Heringe schnitzen darf. Als David nach einer Weile unseren noch nicht ganz fertigen Shelter angeschaut hat, war unsere Begründung, warum er nicht fertig ist, dass wir morgen ja noch eine Herausforderung brauchen und deshalb nicht üben wollen.
Nachmittags haben wir uns noch mit Wasser beschäftigt. Wieder in Kleingruppen mussten wir aus einer PET Flasche einen Wasserfilter basteln. Das komplett braune, schmutzige Wasser wurde durch unsere unterschiedlichen Filter aus Watte, Kohle, Sand und Moos überraschenderweise ziemlich klar.
Abends sind wir zusammen einkaufen gegangen. Jeder von uns hat zehn Euro bekommen und musste sich damit Nahrung für die 24 Stunden kaufen. Zurück an Bord habe ich mir aus einer Konservendose eine brandsichere Feuerstelle gebaut, weil wir ohne diese kein eigenes Feuer im Wald machen durften, damit wir diesen nicht abfackeln.
Nachdem meine Dose dann mit einem Seitenschneider, einer Schere, einem Schraubenzieher und einer Axt bearbeitet war und mein Rucksack gepackt war, bin ich gegen ein Uhr in die Heia gegangen.

Am nächsten Morgen sind wir mit unseren schweren Rucksäcken, die durchschnittlich zwischen zehn und zwanzig Kilogramm schwer waren, wieder die sechs Kilometer in die Wildnis gelaufen. Oben angekommen haben wir noch jeder eine Notfallpfeife und eine letzte Sicherheitseinweisung bekommen, bevor wir uns das erste Mal für mehrere Stunden voneinander verabschiedet haben.
Dann ging es richtig los, wir sind alle losgezogen und haben uns jeweils einen Platz gesucht, wo wir unser Lager aufbauen und schlafen wollten. Ich habe mir eine Stelle am Waldrand ausgesucht, von der ich schnell zu einem Platz zum Kochen gehen konnte und von der ich eine wunderschöne Aussicht auf den Pico hatte.
Nachdem mir bei meinem ersten Kochversuch ein halber Liter Wasser ausgelaufen ist, habe ich, bevor ich weitere Kochversuche gestartet habe, mir eine Konstruktion aus herumliegenden Dachziegeln rund um meine Konservendosen Feuerstelle gebaut und darauf Annamengias Edelstahl Brotzeitbox als Topf gestellt. Mit der Konstruktion hat mein Kochen richtig gut funktioniert und ich habe mir Tortellini mit Knoblauchsoße gemacht.
Anschließend habe ich meinen Schlafplatz aufgebaut und mein herumliegendes Zeug aufgeräumt. Abends bin ich kurz nach Sonnenuntergang „gleich“ schlafen gegangen. „Gleich“ bedeutete, nachdem ich mir drei Hosen, fünf Oberteile, Skisocken, Mütze und Schal angezogen habe und dann in meinem Schlafsack, in dem noch eine Rettungsdecke war, in meine Hängematte geklettert bin. Vielleicht wäre es doch einfacher gewesen, Martins Überlebensanzug mitzunehmen, den Marie uns angeboten hatte.
Am nächsten Morgen habe ich mir Porridge mit Äpfeln an meiner Feuerstelle gemacht, da war ich auch schon richtig geübt mit meinem Feuerstahl. Langsam kam auch wieder die Sonne raus und ich konnte nach und nach die einzelnen Kleidungsschichten ausziehen.
Vormittags habe ich ein bisschen Zeit für mich gehabt, bevor David mittags vorbeikam und gesagt hat, dass die 24 Stunden rum sind. Da Niko und ich unsere Sachen zuvor schon zusammengepackt hatten, waren wir als Erste zurück bei Lotti, Robert und Sophie. Mit Sophie bin ich sofort Holz holen gegangen, damit wir nochmal alle zusammen ein großes Feuer machen konnten.
Viele haben ihre Essensreste rausgeholt und wir haben viel über dem Feuer gekocht und uns gefreut, dass wir uns alle wieder hatten. Als alle satt waren, haben wir zwei Reflexionsrunden gemacht. Zuerst nur über die 24 Stunden und danach noch darüber, wie wir uns zurzeit insgesamt fühlen.

Viele haben berichtet, dass sie vor allem mit dem Feuer Probleme hatten, viel zu tun hatten und das erste Mal seit Monaten die Zeit alleine trotzdem genossen haben. Bei der allgemeinen Runde wurde ganz oft gesagt, dass viele darüber nachdenken, dass wir in zwei Wochen in IJmuiden ankommen und dazu gemischte Gefühle haben.
Wirklich gut gelaunt habe ich mich mit Robert, Lisi und Niko auf dem Rückweg unterhalten. An Bord wurden wir von Matthias mit Kuchen überrascht und wollten alle schnell duschen gehen. Abends haben wir Schüler über unsere Hoodiedesigns und über unser Logo, das wir hier an den Steg malen wollen, geredet und die meisten sind danach schlafen gegangen.
Und obwohl wir uns alle wieder auf warme Duschen, ein richtiges Bett und das Leben an Bord gefreut haben, war da auch dieses Gefühl, das man gar nicht so richtig beschreiben kann.
24 Stunden alleine im Wald klingen im ersten Moment gar nicht so lang. Aber wenn man wirklich dort ist, ohne Ablenkung, ohne Handy, ohne die anderen, dann merkt man erst, wie intensiv diese Zeit eigentlich ist.
Und auch wenn wir jetzt wieder alle zusammen sind, war es genau diese Zeit alleine, die uns als Gruppe nochmal anders zusammengeschweißt hat.
Liebe Grüße eure Carla
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