Ein Bild für die Ewigkeit - Horta
- Emily
- 3. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Der Hafen in Horta ist ein ganz besonderer. Segler und Seglerinnen aus der ganzen Welt kommen dort nach vielen Tagen auf dem Meer an. Und alle haben etwas gemeinsam: Sie haben den Atlantik überquert.
Als wir am Nachmittag des 25. anlegen, spürt man das Gefühlschaos von uns allen. Zum ersten Mal sehen die Häuser und Straßen, die Bäume und Wiesen und die Supermärkte und Geschäfte wieder wie Zuhause aus. Wo die letzten Tage noch mit Bordalltag gefüllt waren, wird einem jetzt bewusst: Wir sind fast am Ende.
An der Kaimauer kann man überall kleine Zeichnungen erkennen von Schiffchen und ihren Segelnden. Alle verewigen sich hier, um zu zeigen, wie stolz sie darauf sind, was sie geschafft haben. Das haben wir natürlich auch vor.
In 7 Tagen haben wir Stück für Stück unsere Zeichnung auf den Boden gebracht. Und weil ich an jedem davon beteiligt war, erzähle ich euch nun, wie das ablief:
Tag 1: Wir suchen uns eine Stelle nah an unserem Anlegeplatz, putzen sie einmal und zerren den Primer aus den Tiefen des Farblagers. Mit der guten Küchenwaage bestimmen wir das Mischverhältnis und kleben die Ränder fein säuberlich ab. Zu Beginn pinsele ich noch präzise an den Kanten entlang. Schnell stelle ich fest: „Dauert doch zu lange, einfach die Farbe auf den Boden kippen funktioniert deutlich besser!“
Tag 2: Exkurs zum Farben kaufen: Ich suche mir die schönsten Rosatöne, ein Gelb und ein Türkis aus und bemerke erst am Abend: Ups, wir haben wohl Weiß und Schwarz vergessen. Egal, unsere Grundierung in Creme gibt’s schon am Schiff und mit der Methode von gestern ist auch der Schritt schnell getan.
Tag 3: Es wird ernst. Das von uns ausgedachte Design muss abgemalt werden. Aus Tauen basteln wir einen Zirkel und malen alles mit Bleistift vor. Blöd nur, dass man den kaum sieht. Leider ist ein neonfarbener Kreidemarker kaum besser, insbesondere wenn er vorher in meiner Hosentasche aufgeplatzt ist. Zufrieden sind wir mit unserer Skizze trotzdem irgendwann und wir beginnen, sie mit Schwarz nachzufahren (Danke, Marie, dass du nochmal los bist, um die restliche Farbe zu kaufen).

Die Sonne scheint zu uns auf den Boden, Ferdi arbeitet am Schiff, Lisi am Wasser und ich nehme mir den Schriftzug vor: „OG Nautic Horizont 25/26“. Um uns haben sich viele versammelt, um die wahrscheinlich letzten warmen Momente der Reise zu genießen und still an ihren eigenen Projekten zu arbeiten.
„Emily, was macht das T da?“
Danke Bruno, du hast verhindert, dass wir uns mit Nautic Horizont verewigt hätten.
Tag 4: Der Sonnenuntergang. Endlich kommen die bunten Farben zum Einsatz. Die Hälfte landet zwar auf meinen Klamotten, aber das Ergebnis lässt sich sehen. Es ist fast so schön wie die tatsächlichen Sonnenuntergänge, die wir gewohnt sind.
Tag 5: Langsam müssen wir fertig werden. Am Vormittag schleppen Ferdi, Carla, Anna und ich die Farben an Land und bevor wir noch irgendeine weitere Maßnahme treffen können, legt die Regina schon zum Tanken ab. Wie war gleich nochmal das Mischverhältnis der zwei Komponentenfarbe? Obwohl uns solche Fragen jetzt niemand mehr beantworten konnte, waren wir am Ende sehr zufrieden mit unserem Werk.
Das hat aber auch nur so lange angehalten, bis Bruno die nächste Kritik geäußert hat: Die Steuerhütte fehlt.

Tag 6: Mit etwas Mogeln und viel Übermalen haben wir es noch geschafft. Die Regina Maris hat ihre Steuerhütte zurückbekommen.
Tag 7: Finale! Alle, die diese besondere Reise mitgefahren sind, haben auf dem Bild unterschrieben. Wir haben eine Schicht Klarlack aufgesprüht, es wurden nochmal 200 Fotos gemacht und wir konnten unser Bild zufrieden zurücklassen und für die letzte Etappe an Bord steigen.

So sind wir selbst Teil dieses besonderen Hafens geworden. Stolz darauf, was wir gemeinsam geschafft haben, mit einer Zeichnung, die immer daran erinnern wird.
Liebe Grüße eure Emily
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