Rätselhafte Tage auf der Atlantiküberquerung
- Lisi
- 19. März
- 3 Min. Lesezeit
Ein kleines Lebenszeichen von uns mitten auf dem Atlantik. Wir sind jetzt schon über eine Woche unterwegs und werden stets von sehr ruhigem Wetter begleitet. Eigentlich hieß es immer, dass die zweite Atlantiküberquerung sehr wild und voller Stürme werden würde, dies hat sich jedoch nicht bewahrheitet und wir haben zum Teil nicht einmal genügend Wind zum Segeln.

Unser Alltag auf See beginnt für mich als Alfa-Watch Mitglied (von 21 bis 1 Uhr) immer mit dem Frühstück, bei dem frisch gebackenes Brot auf dem Tisch steht. Ich freue mich aber am meisten, wenn ich geweckt werde und mir gesagt wird, dass es Porridge gibt. Nach dem Frühstück geht es dann weiter mit meiner freien Lernzeit oder mit einer Häkelstunde bei Diane. Darüber freut sich Sophie, unsere Lehrerin, natürlich riesig, wenn ich weniger für die Schule tue. Nachmittags habe ich an einem langen Tag Bio, Englisch, Spanisch und Geschichtsunterricht.

Sobald das Abendessen zu Ende ist, heißt es für unsere Watch Toiletten putzen, weil dies unsere Watchaufgabe ist. In den Wachen ist uns allen in den letzten Tagen bewusst geworden, wie kalt es schon wieder geworden ist, und wir haben unser Ölzeug rausgeholt. Jetzt sitzen wir da wieder dick eingepackt mit Gummistiefeln und Mützen und schauen aus wie kleine Zwerge.

Um 23 Uhr ist dann Zeit für unser tägliches Sportprogramm mit Marie, bei dem die Leute, die im Messroom sitzen und Spiele spielen, bei unserem Getrampel denken, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt. Danach werden noch ein wenig die Sternbilder bestaunt, die hier auf dem Atlantik natürlich besonders gut zu sehen sind.
Da selbst dieser Tagesablauf nach sehr vielen Wiederholungen langweilig werden kann, haben sich unser Crew für gestern Abend als Programm ein Krimidinner überlegt. Wir haben alle am Abend vorher jeweils eine Rolle zugeteilt bekommen, zu der wir eine Beschreibung hatten, der wir folgen sollten. Meine Rolle war Mia, die Musikbegeisterte, und mein Kostüm, das ich tragen sollte, war ein Ballkleid, verziert mit Noten. Zufälligerweise habe ich auf die Reise kein Ballkleid mitgebracht, weshalb ich vorher noch einmal in Maries Kleiderschrank shoppen war. Das Kleid, das ich mir aus Maries weitreichender Kleidungssammlung ausgeliehen habe, wurde dann noch mit ein paar aus Papier zugeschnittenen Noten verziert.

Alle fertig umgezogen und tief in die Rollen eingetaucht, konnte das Spiel beginnen. In einem Krimidinner geht es darum, ein Verbrechen oder ein Rätsel als Gruppe aufzudecken und gemeinsam den Mörder zu entlarven. Währenddessen isst man zusammen ein Drei Gänge Menü, das unser Koch Matthias mit seiner Küchencrew gezaubert hat. Mit der Vorspeise Focaccia hat das Rätseln begonnen und wir haben alle unsere ersten Hinweise entschlüsselt. Beim Hauptgang, Lasagne, sind wir dem Ganzen schon etwas näher gekommen und haben einen mysteriösen Anruf erhalten, der uns weiter zum Ziel geführt hat. Als wir genüsslich unsere Nachspeise Tiramisu gegessen haben, war uns dann auch klar, was die Lösung des Rätsels war.
Dies war ein wirklich sehr tolles Erlebnis, das ich gerne wiederholen würde. Weil uns diese Abwechslung wirklich gut getan hat, haben wir uns noch dazu entschieden, ein Mörderspiel zu starten, das über mehrere Tage geht. All unsere Namen wurden auf kleine Zettel geschrieben und seltsame Gegenstände, wie zum Beispiel eine Suppenkelle, wurden ebenfalls auf kleine Zettel geschrieben und in eine Dose getan. Anschließend musste jeder einen Gegenstand und eine Person ziehen und dann war es die Aufgabe, mit diesem Gegenstand die Person umzubringen, indem man ihr den Gegenstand in die Hand übergibt.
Das ganze Schiff ist dadurch total paranoid geworden und hat nichts mehr angenommen. Aber wenn man dann plötzlich einen Gegenstand in der Hand hielt und einem gesagt wurde, dass man tot ist, war man doch ganz erstaunt, wie wenig man darauf geachtet hat. So stand ich dann in meiner Kabine mit einem Oreo von Carla in der Hand und habe sie ganz verwirrt angeschaut, als es hieß: „Ja, du bist jetzt tot.“
Liebe Grüße an all meine Freunde und Familie zuhause, eure Lisi
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