Transatlantikreise Bermuda Azoren
- Torren
- 22. März
- 2 Min. Lesezeit
Bereits vor zehn (!) Tagen haben wir in St. George unseren Hafenlotsen an Bord genommen und uns auf den ersten großen Schritt zurück Richtung Europa gemacht. Knapp 1800 nautische Meilen, also ungefähr 3500 km, trennen Bermuda und das portugiesische Atlantikarchipel der Azoren in direkter Luftlinie, wir haben also einiges an Strecke vor uns. Und tatsächlich ist unsere eigentliche Strecke noch um einiges länger, denn vielen Dank (Scherz) an den Wind, die ersten 5 Tage mussten wir kreuzen (Hans Albers hat mal relativ treffend gesungen „der Wind kommt immer von vorne“).

Von Anfang an haben wir als Besatzung alle gemerkt, dass diese Überfahrt ein bisschen anders sein wird als alle anderen Etappen bisher. Unter unseren Schüler*innen gibt es zur Zeit eigentlich nur ein bestimmendes Thema: die anstehende Schiffsübergabe für den Heimweg von Horta auf der Azoreninsel Faial in Richtung Amsterdam. Auch wenn es sich wild anhört, es ist nicht aus der Luft gegriffen zu behaupten, dass ich ungefähr 25 bis 30 mal pro Tag dieselbe Frage gestellt bekomme: „Auf welche Position soll ich mich bewerben?“, manchmal aber natürlich auch in der charmanteren Variante: „Welche Position ist eigentlich am wenigsten Arbeit?“ :D

Neben diversen „Berufsberatungsgesprächen“ (ja, diese Terminologie hat sich tatsächlich etabliert) steht aber natürlich auch die Ausgestaltung der Wachen durch uns Besatzungsmitglieder ganz unter dem Eindruck der anstehenden Schiffsübergabe. Alle Schüler*innen probieren sich aktuell abwechselnd in ihren jeweiligen Wachen als Officer of the Watch aus, sie leiten also in Rücksprache die Wache und können unsere Regina Maris so weit wie möglich eigenständig segeln und organisieren den zeitlichen Ablauf der Wache (Wachaufgaben wie Brotbacken etc.). Außerdem versuchen wir natürlich, so auch letzte wichtige Kompetenzen aus den Bereichen „Schiffsführung“, „Navigation“, „Theorie des Segelns“, „Engineroom“ und „Meteorologie“ zu vermitteln, damit jeder gut vorbereitet in die Azoren Europa Etappe starten kann.

Aktuell arbeiten alle Schüler*innen nun zusammen mit Sophie, Lotti und Robert an ihren Bewerbungsschreiben für die jeweiligen Positionen, die sie am meisten interessieren, bevor dann die letzte große Hürde vor der Schiffsübergabe auf den Azoren ansteht: die Vorstellungsgespräche mit der Besatzung.

Neben der ganzen „Aufregung“ rund um die Schiffsübergabe geht aber natürlich auch der „normale“ (falls es normal auf einem Schiff gibt) Schiffsbetrieb und Alltag weiter. Neben der Schule und den Wachen stehen immer mal wieder kleinere Arbeiten an, die wir zusammen mit den Schüler*innen durchführen (zum Beispiel neuen Innenklüver anschlagen), im Segelbetrieb müssen die Segelführung und Stellung angepasst werden und wetterabhängig wird die Routenplanung verändert. All diese Aufgaben werden dabei weitestgehend nur noch beratend und beobachtend von uns begleitet, was uns natürlich stolz macht.

Jetzt haben wir erst einmal noch knapp (Stand 22.03., ca. 0600 Uhr Local Time) 550 Meilen vor uns (36 Grad 59 Minuten Nord, 040 Grad 20 Minuten West) und freuen uns alle, bald endlich in Horta auf den Azoren zu sein.
Liebe Grüße,Torren
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